DER IRISH TERRIER

Den FCI-Rassestandard für den Irish Terrier kann man problemlos im Internet nachlesen, auf vielen Züchterseiten, beim FCI, beim Kft.

Wir möchten einmal Dinge ansprechen, die nicht im Standard zu finden sind, bzw. nur zwischen den Zeilen, die aber unserer Meinung nach für Leute, die mit dem Gedanken spielen, sich einen Irish anzuschaffen, von hohem Interesse sein dürften.


 

 

Den Irish Terrier sieht man nicht allzu häufig. Es ist keine exotische Rasse, doch trotzdem relativ unbekannt. Er gehört nicht zu den gängigen Rassen des Allgemeingeschmacks. Man stößt auf ihn, weil man etwas Besonderes gesucht hat und sich intensiv mit der Auswahl "seiner" Rasse beschäftigt hat. Oder man begegnet einem Irish Terrier zufällig (ob es aber Zufälle gibt?) und verliebt sich hoffnungslos. Der herzliche, lustige rote Hund geht einem nicht mehr aus dem Kopf.

 

Das Flirten liegt ihm im Blut, im Pfoteumdrehen wickelt er einen um dieselbe.

Eine Art Gentleman-Tagdieb ist er, ausgestattet mit einem umwerfenden Charme, der es unmöglich macht, ihm für seine zeit-, sozusagen schubweise nicht ganz unerheblichen kriminellen Energien böse zu sein. Ein schlechtes Gewissen plagt den Irish nach seinen Aktionen nicht wirklich, in nullkommanichts hat er einen wieder auf seiner Seite. Konsequentes Ignorieren zur Strafe klappt beim Irish einfach nicht, da leidet man nur selbst... Schwer zu erziehen ist der Irish allerdings nicht. Hysterie verträgt er ebensowenig wie Härte. Beides sollte man nicht nötig haben, will man einen Irish zum Freund haben. Die Ausstrahlung einer gewissen Autorität und Gelassenheit, Konsequenz, sowie regelmäßig Gesten der Freundschaft und Zuneigung, das ist in der Summe die Sprache, die der Irish versteht. So schafft man die Umgebung, in der der er sich rundum wohl fühlt.

 

Der Irish Terrier ist bestimmt kein Hund für jedes Gemüt. Er ist ein Hund mit Geist, das heißt, er hält nicht viel von Kadavergehorsam, er trifft gern eigene Entscheidungen, er ist äußerst pfiffig und witzig. Den bekannten Terrier-Sturkopf besitzt er dann, wenn es grade angebracht ist. Ein stabiles Nervenkostüm und eine gesunde Portion Humor sind sicher von Vorteil, möchte man mit einem Irish glücklich werden.

 

Wofür eignet sich der Irish Terrier also? Können tut er eigentlich alles, seine Bewegungsfreude und Sportlichkeit setzen ihm praktisch keine Grenzen, für seinen klaren Verstand gilt das Gleiche. Ob er diesen allerdings so einsetzt, wie der stolze Besitzer das gerade gern möchte, steht auf einem anderen Blatt. Wollen Sie mit Ihrem Irish Terrier glänzen, blamiert er Sie, garantiert! Er tut Ihnen zuliebe schon auch mal Dinge, auf die er eigentlich gerade gar keine Lust hat; wenn Sie Glück haben. Aber die dazugehörige Mimik wird unmißverständlich sein und Sie werden sich überlegen, ob Sie Ihren Hund nicht vielleicht quälen?

 

Sie sollten also mit einem Hund klarkommen können, der gelegentlich nicht ganz so motiviert ist, dessen einziger Lebensinhalt es eben NICHT ist, Ihnen selbstlos zu gefallen, falls sie sich für diese Rasse entscheiden; der keinen Sinn darin sieht, die gleiche Übung tausendmal zu wiederholen. 

Dafür braucht man aber auch für den Irish Terrier keinen Waffenschein, wenn er keine wahnsinnig verantwortungsvolle und wichtige Aufgabe hat. Der Irish bekommt keine Krise, wenn sein täglicher Spaziergang mal später stattfindet oder etwas kürzer ausfällt. ( Dann macht er eben zum Ausgleich das schöne Blumenbeet dem Erdboden gleich ;-)) Der Irish wird kein bißchen depressiv, wenn er nicht ständig beschäftigt und gefordert wird.

 

Wenn für Sie also das Zusammensein und der Spaß mit ihrem Hund weit vor dem Ehrgeiz stehen, sind Sie beim Irish an der richtigen Adresse, denn das ist genau seine Welt. Dem Irish strahlt das Glück und der Stolz aus seinen feurigen Augen, allein, weil er dazugehört.

 

Er ist ein Genußhund, das savoir vivre scheint er erfunden zu haben. Gepflegtes Faulenzen liebt er ebenso wie grenzenlose sportliche Betätigung, abwechslungsreiche und abenteuerliche Spaziergänge.

Der Irish tut einfach nur gut. In seiner Nähe fühlt man sich immer wohl. Ist man einmal nicht gut drauf oder sogar schlecht gelaunt, genügt seine Anwesenheit, um diesen Zustand zu ändern.

Garantiert schafft es dieses Herz auf vier Pfoten, eine Atmosphäre zu schaffen, in der man sich einfach gut fühlt. Auch Ihren Besuch wird er dermaßen herzlich und gastfreundlich begrüßen, daß dieser gar nicht mehr nach Hause möchte. 

 

Er ist bei richtiger Haltung kein überkandideltes Nervenbündel, sondern ein ausgeglichener, sorgloser Kerl, der mit sich und der Welt im Reinen ist.

 

Seine Familie liebt der Irish Terrier über alles, seine Liebesbeweise sind gekennzeichnet von Einfallsreichtum und Leidenschaft. Es würde ihm jedoch nicht einfallen, seine Menschen hüten zu wollen oder keinen mehr in ihre Nähe zu lassen. Er kann sehr gut unterscheiden, ob Gefahr droht, dann kann er sich ganz schnell in einen äußerst respekteinflössenden Bodyguard verwandeln. Im andern Fall ist er zu jedermann freundlich und höflich, oder einfach nur ignorant, falls er keinen Draht zu demjenigen findet. Unbedingt erwähnenswert ist auch noch die  Mimik, die manche Irish drauf haben. Sie reden mit ihrem ganzen Körper, da wird herzhaft gelacht, mit den Pfoten, dem Hinterteil und den Ohren sich ausgedrückt, manche singen sogar.

 

Das Wesen des Irish ist wohl etwas ganz Besonderes, aber auch seine äußere Erscheinung ist genau das, was wir uns von einem Hund wünschten. Sportlichkeit und Schnelligkeit strahlt er aus mit seinem eleganten Körper, "flüchtig" , so wird dieser beschrieben in der Fachsprache, einem edlen Rennpferd entsprechend.

Der Irish ist unverkennbar edel, doch trotzdem hat er etwas Urtümliches, Herzhaftes mit seinem rauhen Fell und dem lustigen Bärtchen.

Diese Rasse ist frei von Extremitäten, die sie in irgendeiner Weise handicapped und ihr das Leben schwer machen.

 

Von Krankheiten des Bewegungsapparates ist der Irish Terrier weitestgehend verschont, eben weil an ihm nichts Extremes ist. Es gibt keine Gesundheitsnachweise, die er für seine Zuchtzulassung vorlegen muß. Es gibt zwei Erbkrankheiten, die durch konsequente züchterische Arbeit ziemlich gut im Griff sind und nur noch sehr selten auftreten. Verantwortungsvolle Züchter klären Ihre Welpeninteressenten gern darüber auf.

 

Kommen wir aber noch einmal zurück zum größten Fehler des roten Teufels. Man kann ihm einfach nicht böse sein, ihm verzeiht man alles. 

Und da ist es grad egal, was er angestellt hat. Ob er nun Torte gestohlen, oder Dinge zerstört hat, an denen man eigentlich sehr hing, ob er die Toilettenpapierrolle oder den Papiermüll zerschredderte, ob er die Tulpen ausgegraben oder das Geißblatt nach seiner Auffassung gestutzt hat, ob er die gerade erst gekauften Dekofiguren zerdeppert hat oder ob er über die Motorhaube des neuen Flitzers hinweg mit dem Kumpel Fangen gespielt hat... ein Blick in seine tiefgründigen, feurigen Augen genügt, und man weiß, das alles hat er nur getan, weil er etwas falsch verstanden hat. Er hat es nur gut gemeint! Und auf einmal wird einem klar, da gibt es eigentlich viel viel Wichtigeres auf der Welt.